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Sommerpause – und ein Versprechen!

23. Juli 2012

Auch LÄMMer machen Ferien. Und so muss in dieser Zeit dieser Blog ruhen. Doch wir versprechen euch: Es besteht kein Grund zur Trauer! Denn im September möchten wir euch mit einer neuen Website überraschen. Freuet euch 🙂

Auf der neuen Website dürft ihr auch eine komplett neue Rubrik bestaunen. LAMM färbt sein Fell dafür sogar in eine knallige Farbe. Mehr verraten wir nicht.

Und falls jemand von euch, noch eine der tollen LAMM-Stofftaschen möchte (Bio und Fairtrade natürlich, für die ExpertInnen „GOTS“ und „Max Havelaar“) zertifiziert, darf er sich gerne per Mail bei uns melden: montagsmailer@gmail.com

Als Dankeschön hätten wir gerne ein Foto, das davon zeugt, wie eure LAMM-Taschen  die weite Welt, die nahen See- und Flussufer oder die lauschigen Freibäder schmücken.

Aus Panama erreichte uns dieses idyllische Bild!

Aus Panama erreichte uns dieses idyllische Bild! (c) by Joëlle Naef

Schöne Sommerferien! Määäh!

LAMM Fashiontipp: Sommer

16. Juli 2012

Aufmerksame Leser mögen bereits zwischen unseren Montagsmailzeilen gelesen haben, dass wir keine grossen Freunde des Massenkonsums sind. Weniger ist mehr, finden wir. Trotzdem können wir die Augen nicht vor der Realität verschliessen. Auf manche Dinge kann man nicht verzichten, Kleider zum Beispiel. Und so lancieren wir hiermit eine neue Rubrik auf unserem Blog: den LAMM-Fashiontipp.

Wir wissen, dass es nicht einfach ist, ökologische und fair hergestellte Kleider zu finden, die zudem auch noch modisch sind. Will man sich von Kopf bis Fuss mit sozial vertretbaren und umweltschonend produzierten T-Shirt, Röcken, Leggins oder Hosen einkleiden und dabei auch noch gut aussehen, muss man ein wenig mehr Zeit aufwenden.

Aufwändige oder unmögliche Kleidersuche?

Aber wie gross ist dieser Aufwand denn tatsächlich? Ist es nicht vor allem unser Denken und der knappe Geldbeutel, der nachhaltige Outfits verhindert? Oder stimmt das böse Vorurteil, dass faire und „grüne“ Kleidung eher praktisch als hübsch ist, etwa doch?

All diese Fragen wollen wir in unserem „LAMM-Fashiontipp“ thematisieren. Und zugleich unseren Leserinnen und Lesern zeigen, dass es doch modische Kleider gibt, die nachhaltig  produziert worden sind. Vier Mal pro Jahr präsentieren wir euch eine saisongerechte Kollektion aus möglichst nachhaltig produzierten Kleidern.

Transparente Inkonsequenz

Nicht alle Kleider, die wir in unseren Fashiontipps zeigen, erfüllen unsere eigenen, strengen Kriterien an nachhaltige Produktion zu 100 Prozent. So haben wir beim Zara-Biobaumwollt-Tshirt vergeblich herauszufinden versucht, welches Label denn Zaras Biobaumwollproduktion zertifiziert. Gerade beim Anbau und der Herstellung von Biobaumwolle weisen die unterschiedlichen Label verschieden strenge Kriterien auf.

Wir haben Zaras Biobaumwoll-Tshirt trotzdem in unseren Fashiontipp aufgenommen. Denn es mag Menschen geben, die nicht auf Zara und H&M verzichten wollen – oder können. Auch diese Zarakunden können nachhaltiger konsumieren. Indem sie wann immer möglich die Biokleider auswählen und die herkömmlich produzierten Produkte links liegen lassen. Auch das sendet ein Signal an die Grosshandelsketten.

Der Fashiontipp:

Nach diesen einleitenden Worten möchten wir euch nun das Sommeroutfit von Jeannie Nelson präsentieren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jeannie trägt einen langen, weissen Bio-Baumwollrock von Naturaplan, gekauft im Sihlcity. Dazu ein gelbes Sommertop, ebenfalls Bio, vom Fashionhaus Zara an der Bahnhofstrasse. Die Kette hat Jeannie am Flohmarkt auf der Fritschi-Wiese gefunden und die Schuhe sind aus dem Secondhand-Laden an der Ankerstrasse im Kreis 4 in Zürich. Die LAMM-Stofftasche, aus Fairtrade Bioanbau, wurde von uns handbedruckt, und ist demnächst auch bei uns bestellbar.

Niveas radikale Entsorgungslösung

2. Juli 2012

Manche Produkte erfahren nie die Wertschätzung, die sie eigentlich verdient hätten. Deodorants zum Beispiel. Ohne sie wäre die Gesellschaft anderer Lebewesen an feuchtheissen Sommertagen kaum auszuhalten. Wenn diese duftenden Wunderwerke doch bloss in umweltfreundlichen Behältern abgefüllt wären.

Schwüle Sommerhitze macht einem LAMM arg zu schaffen. Zwar scharen wir uns in Gruppen unter jedem  noch so kleinen Fleckchen Schatten. Doch was so kuschelig aussieht, ist oft ein Alptraum für die Nase. Unter dem flauschigen Fell sammelt sich der Schweiss. Und dessen liebste Kumpan ist oft ein säuerlicher Duft.

Auch LÄMMer haben Nasen und so greifen wir schnell zum Deodorant. Doch, oh Schreck, schon ist die Sprühdose leer. Wohin damit? Die Kappe aus Plastik, die Dose aus Alu mit dünnen Plastikeinschlüssen; eine echte Herausforderung für uns recyclingverrückte Schafe.

Plastik und Alu ergeben, wenn in einer Sprühdose vereint, eine schwierig zu entsorgende Verpackung

Plastik und Alu ergeben, wenn in einer Sprühdose vereint, eine schwierig zu entsorgende Verpackung

Vielleicht kann uns ja der Hersteller dieser Deodorants helfen. Fragen wir also Nivea, wie wir ihren Verpackungsmischmasch umweltgerecht entsorgen sollen.

Guten Tag

Ich verwende schon seit längerem ihr Deospray Dry IMPACT und bin sehr zufrieden damit. Nur frage ich mich immer wieder, wie man die leere Spraydose entsorgen soll. Auf der Verpackung ist das ALU-Recycling-Zeichen drauf, aber die Kappe ist ja aus Plastik. Kann ich die Dose trotzdem in die Alu-Sammlung werfen?

Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen.

Vielen herzlichen Dank und freundliche Grüsse

Unsere Begeisterung für den Deospray bewegte die Firma Beiersdorf, der die Marke Nivea gehört,  zu einer netten Antwort:

Sehr geehrter Herr

Besten Dank für Ihre Anfrage und dass Sie sich mit Ihrem Anliegen direkt an
uns gewandt haben.

Bei der Beiersdorf AG arbeiten wir ständig an der Entwicklung neuer
Verpackungs-Materialien, die den verschiedenen Anforderungen entsprechen.
Der Erfolg unserer Produkte wird ganz bedeutend durch die Verbindung von
innovativen Produkten, hoher Qualität, mit hochwertigem Design und
umweltfreundlichen Verpackungen bestimmt.

Betreffend Ihrer Frage wissen wir, dass man in Deutschland die leere Dose
in der Wertstoffsammlung entsorgen kann. In der Schweiz jedoch haben wir
keine solche speziellen Entsorgungsmöglichkeiten. Wir empfehlen Ihnen
deshalb, das leere Deo-Produkt im Hausmüll zu entsorgen.

Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie sich auch gerne an unsere
gratis NIVEA Beratungs – Hotline unter 0800 80 61 11 wenden (Mo-Fr,
09.00-12.00).

Wir hoffen, Ihnen damit trotzdem gedient zu haben und würden uns freuen
Sie auch in Zukunft zu den treuen und zufriedenen Kunden von NIVEA zählen
zu dürfen.

Freundliche Grüsse
Beiersdorf AG
Marketing Consumer

Ach, schade, die netten Herren und Damen entwickeln zwar offenbar laufend neueste und innovativste Verpackungen von höchster Qualität und herausragendstem Design. Aber wie man diese Kunstwerke umwelterecht entsorgen soll, können sie uns leider nicht sagen. In den Hausmüll damit! Verbrennen das Ding! Umweltfreundlich ist anders.

Edle Gitarren IV

4. Juni 2012

Gehen Gitarrenhersteller für ihre edlen Instrumente über Baumleichen? Im letzten Teil unserer Gitarrenserie springen wir zurück nach Europa. Unseren Fragen nach der Herkunft der Gitarrenhölzer muss sich diesmal das Deutschlandbüro des renommierten Gitarrenbauers Walden stellen.

Den Grund für die Fragenserie liefert der Gitarrenproduzent Gibson. Hier nochmals die Kürzestzusammenfassung des Gibson-Falles. Die ausführliche Geschichte zum Gibson-Fall könnt ihr im ersten Teil der Gitarrenserie nachlesen.

Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson für seine Gitarren ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act, der den Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier verbietet, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde.

Eine Gitarre von Walden: Gebaut in China, mit madegassischem Holz?

Eine Gitarre von Walden: Gebaut in China, mit madegassischem Holz?

Recherchen bestätigen den Verdacht

Recherchen des Zoo Zürich bestätigten, dass Gibson bereits vor drei Jahren illegal geschlagene Hölzer aus Madagaskar gekauft und in seinen Gitarren verarbeitet hatte.

LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten.

Hallo zusammen

vor kurzem habe ich eine Walden Gitarre geschenkt gekriegt. Ich bin zwar noch blutiger Anfänger, aber das Spielen macht mir sehr viel Spass. Ich würde auch behaupten, dass ich langsam aber sicher besser werde (aber das liegt ja wahrscheinlich sehr im Ermessen des Betrachters oder eben Zuhörers ;-).

Obwohl ich wirklich sehr zufrieden bin mit meiner Gitarre, habe ich trotzdem eine Frage. Kürzlich entdeckte ich den Bericht vom Kassensturz über illegale Tropenhölzer im Instrumentenbau, welcher mich ziemlich geschockt hat (http://www.kassensturz.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/02/21/Themen/Familie-und-Freizeit/Viele-Haendler-ignorieren-Tropenholz-Raubbau). Nun würde ich gerne wissen, ob auch ich damit rechen muss, dass ich Raubbauholz in den Händen halte, wenn ich auf meiner Gitarre rumklimpere.

Was hat Walden für Beschaffungs-Richtlinien beim Holzeinkauf?

Ich würde mich sehr über eine kurze Antwort freuen, da ich leider auf eurer Homepage nicht fündig geworden bin.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Walden reagierte auf dieses Mail flink:

Hallo Gitarrenspieler

wahrlich ein großes Thema und ich bin auch der Meinung, dass es für die Herstellung
von Gitarren nicht notwendig ist geschützte Regionen bzw. Baumbestand für ein
„Luxusgut“ zu vernichten, gar auszurotten.

Mit Walden spielst Du eine „grüne Marke“, denn unser Hersteller hat sich freiwillig
verpflichtet keine geschützten Hölzer zu verbauen.
Vielmehr wird hier durch eine freiwillige Selbstkontrolle FSC www.fsc.org die Holzeinkäufe
überprüft.

Das ist wichtig und macht Sinn!

Naja, auf der Website von Walden findet sich das FSC-Label aber nur bei einer Gitarre (Madera). Wie kommt das?

Hallo Walden

Vielen Dank für die Antwort – es freut mich sehr, dass Walden sich auch Gedanken macht zu diesem Thema. Im Katalog habe ich aber das FSC-Zeichen nur bei einer Gitarre (Madera) gesehen. Bei allen anderen steht davon nichts.

Wie kommt das?

Vielen Dank für eine Antwort und entschuldige bitte meine Neugier.

Viele Grüsse

Leider verstummte Walden nach dieser Nachfrage. Doch wir gaben nicht auf:

Vor etwa einem Monat bin ich mit einer Frage zum Holz, welches für den Gitarrenbau verwendet wird an euch getreten. Leider habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten. Ich habe mich vor allem darüber gewundert, dass  ihr euch selbst als eine „grüne Marke“ bezeichnet, obwohl im Katalog nur eine Gitarre das FSC-Zeichen trägt. Was zeichnet den die restlichen Walden-Gitarren als „grün“ aus?

Ich würde mich weiterhin über eine Antwort freuen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus:

Hallo lieber Gitarrenspieler

sorry das ich erst jetzt dazu komme Dir zu antworten, aber wir hatten ja die
Musikmesse in Frankfurt und da ist immer einiges zu tun.
Jetzt aber los.

Tatsächlich ist es so, dass lediglich die Madera Serie das FSC Zertifikat trägt.
Liegt natürlich daran, dass es zum einen die teuerste Walden Serie ist und eben
mit sehr hochwertigen Hölzern gebaut wird.
Und bei diesen Hölzern geht es eben um Schutz und die Verhinderung von sog. Raub Abbau.

Das Unternehmen verpflichtet sich eben nur rechtlich einwandfreie Ware bzw. Hölzer
zu kaufen.
Bei den „Standard Serien“ werden natürlich auch sehr gute Hölzer verwendet, doch
diese unterliegen (noch) keiner gefährdeten Sorte oder Art.

Beispiel: Für eine Fichtendecke benötigt man keine Freigabe, da es sich um ein Holz
mit sehr hohem Bestand handelt.

Du solltest aber beachten, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der gerodeten Wälder
in die Musikindustrie gehen.

Gruss aus Marburg

So nett die Antwort klingt, so falsch sind die darin enthaltenen Behauptungen.

1. „Raub Abbau“? Haben wir noch nie gehört. Das heisst Raubbau. Aber egal. Das wirkt jetzt vielleicht kleinlich. Aber wer nicht einmal die korrekten Begriffe gebraucht, wird sich wohl kaum intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

2. „Das Unternehmen verplichtet sich eben nur rechtlich einwandfreie Ware bzw. Hölzer zu kaufen“ Und wie garantiert mir das Unternehmen das? Das FSC-Label ist ja gerade geschaffen worden, um den Konsumenten signalisieren zu können: Das Holz, das wir verwenden, wurde nachhaltig produziert und eine unabhängige Stelle hat dies auch bestätigt. Beim FSC-Label gibt es momentan verschiedene skandalöse Fälle, wo die eigenen Richtlinien verletzt worden sind. Doch leider ist es nach wie vor das einzige Label, bei dem der Konsument einigermassen davon ausgehen kann, dass das Holz nachhaltig abgebaut worden ist – ausser er kauft Schweizer Holz. Das wäre optimal.

3. Ob die „Standard Serien“ nun aus Edelhölzern oder anderen Hölzern bestehen, spielt eigentlich gar keine Rolle. Wälder sollten in jedem Fall, auch bei nicht gefährdeten Arten, nachhaltig bewirtschaftet werden. Denn Bäume sind CO2-Speicher. Baut man Wälder ab, ohne sie zu ersetzten, wird zuvor im Wald gebundenes CO2 freigesetzt. Das ist nicht nachhaltig.

4. Natürlich braucht man für eine Fichtendecke keine Freigabe. Aber aus dem obigen Punkt (siehe 3.) sollte auch ein Fichtenwald nachhaltig bewirtschaftet werden.

5. Ausserdem braucht man auch für die Edelhölzer in Deutschland keine Freigabe. Diese werden nämlich aus Madagaskar herausgeschmuggelt. Sobald sie das Land verlassen haben, dürfen sie – ausser in den USA – legal gekauft und gehandelt werden.

6. Nochmals von wegen Fichtendecke: Im neuen Katalog von Walden (http://www.waldenguitars.de/uploads/media/Kat_WALDEN_End11.pdf) sind Griffbrett und Hals der meisten Gitarren aus Palisander, Ebenholz und Mahagoni (=alles tropische Edelhölzer). Der aktuelle Katalog hat keine einzige„Fichtengitarre“ drin.

Es scheint, dass bei Walden grundlegendes Wissen über Kreisläufe in der Umwelt und Nachhaltigkeit im Allgemeinen fehlt. Dieses Wissen wäre aber notwendig, damit das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, seine Rohstoffe nachhaltig zu beschaffen. Den Titel „grüne Marke„ müssen wir Walden leider aberkennen.

Edle Gitarren III

7. Mai 2012

Gehen Gitarrenhersteller für ihre edlen Instrumente über Baumleichen? In unserer Gitarrenserie befragen wir renommierte Gitarrenfabrikanten, nach der Herkunft ihrer Hölzer und versuchen herauszuspüren, wie sehr sich diese ihrer Verantwortung bewusst sind.

Den Grund für die Fragenserie liefert der Gitarrenproduzent Gibson. Hier nochmals die Kürzestzusammenfassung des Gibson-Falles. Die ausführliche Geschichte zum Gibson-Fall könnt ihr im ersten Teil der Gitarrenserie nachlesen.

Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson für seine Gitarren ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act, der den Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier verbietet, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde.

Diesmal im Visier der LAMM-Fragenkanone: Fender

Diesmal im Visier der LAMM-Fragenkanone: Fender

Recherchen bestätigen den Verdacht

Recherchen des Zoo Zürich bestätigten, dass Gibson bereits vor drei Jahren illegal geschlagene Hölzer aus Madagaskar gekauft und in seinen Gitarren verarbeitet hatte.

LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten. Der Mailverkehr wurde von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Liebe Fender Guitars

Ich spiele seit langem eure Gitarren – seit kurzem auch an der berklee Universität. In letzter Zeit habe ich einige Dinge in den Nachrichten über die Materialien gehört, die von Gitarrenherstellern gebraucht werden. Angeblich sollen Gitarrenhersteller für die Gitarrenhälse Rosenholz verwenden. Und trotz der Tatsache, dass der Import und Kauf von Rosenholz aus Madagaskar illegal ist, hat die Gitarrenfirma Gibson angeblich solches Rosenholz für ihre Gitarren verwendet. Andere Unternehmen verwenden Rosenholz aus Brasilien, das gemäss CITES  http://en.wikipedia.org/wiki/CITES, ebenfalls illegal ist.

Deshalb möchte ich sie fragen:

1. Woher kommt das Rosenholz, das Sie für ihre (und daher auch meine) Gitarre verwenden?

2. Könnten Sie die Herkunft all ihrer Materialien auf ihrer Website deklarieren?

Danke bereits im Voraus für eure Geduld und freundliche Grüsse

Keine der angeschriebenen Firmen war bis jetzt gesprächig. Die knappe Antwort von Fender erstaunt da kaum:

Hallo

Danke für dein Interesse an unseren Instrumenten. Wir verstehen deine Sorgen betreffend Rosenholz, empfehlen dir aber den folgenden Link von der US-Fisch & Wildtierbehörde zu lesen:

http://www.fws.gov/news/blog/index.cfm/2011/9/22/Where-We-Stand-The-Lacey-Act-and-our-Law-Enforcement-Work

Beste Grüsse

Der Link führt zu einem Artikel, bei dem schnell klar wird, dass er unsere Frage an Fender überhaupt nicht beantwortet.  Nach einigen allgemeinen Sätzen zum Lacey-Act folgen zwei Absätze, die vor allem Musiker beruhigen sollen. Diese scheinen nämlich zu fürchten, dass auch ihre Instrumente, die sie bereits gekauft haben und seit Jahren bespielen, im Zuge der Untersuchungen beschlagnahmt werden könnten. Die Fisch&Wildtierbehörde stellt in  diesem Artikel also klar, dass diese Sorgen unbegründet sind:

„To be clear: individual consumers and musicians are not the focus of any U.S. Fish and Wildlife Service law enforcement investigations pertaining to the Lacey Act, and have no need for concern about confiscation of their instruments by the U.S. Fish and Wildlife Service.“

„Damit es deutlich gesagt ist: Einzelne Konsumenten und Musiker sind niemals Ziele irgendwelcher im Zusammenhang mit dem Lacey Act stehender  Untersuchungen der US Fisch und Wildtierbehörde. Kein Konsument und Musiker muss  befürchten, dass sein Instrument durch die US Fisch & Wildtierbehörde konfisziert wird.“ (Eigene Übersetzung)

Wir bedanken uns herzlich bei Fender für diesen aufschlussreichen Artikel, stellen aber fest:  Fender hat entweder unsere Anfrage überhaupt gar nicht verstanden oder gibt zumindest vor, unsere kritische Frage nicht verstanden zu haben. So der so ein ernüchterndes Ergebnis.

Edle Gitarren aus edlen Hölzern II

30. April 2012

Den Regenwald opfern wir der Kunst. So oder ähnlich muss das Motto des Gitarrenherstellers Gibson lauten. Denn für seine edlen Gitarren verwendet das amerikanische Unternehmen illegal geschlagenes Edelholz aus den Regenwäldern Madagaskars. Wie skrupellos andere Gitarrenhersteller für ihre Musikinstrumente die Umwelt schänden, erfahrt ihr im zweiten Teil unserer Montagsmailserie zu Gitarrenproduzenten.

Hier eine Kürzestzusammenfassung des Gibson-Falles. Die ausführliche Geschichte zum Gibson-Fall könnt ihr im ersten Teil der Gitarrenserie nachlesen.

Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson für seine Gitarren ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act, der den Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier verbietet, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde.

Für harte Gitarrenhälse wird Regenwald abgeholzt (c) by PZAO

Für harte Gitarrenhälse wird Regenwald abgeholzt (c) by PZAO

Recherchen bestätigen den Verdacht

Recherchen des Zoo Zürich bestätigten, dass Gibson bereits vor drei Jahren illegal geschlagene Hölzer aus Madagaskar gekauft und in seinen Gitarren verarbeitet hatte.

LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten. Der Mailverkehr wurde von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Liebe Godin Guitars

Ich spiele seit langem eure Gitarren – seit kurzem auch an der berklee Universität. In letzter Zeit habe ich einige Dinge in den Nachrichten über die Materialien gehört, die von Gitarrenherstellern gebraucht werden. Angeblich sollen Gitarrenhersteller für die Gitarrenhälse Rosenholz verwenden. Und trotz der Tatsache, dass der Import und Kauf von Rosenholz aus Madagaskar illegal ist, hat die Gitarrenfirma Gibson angeblich solches Rosenholz für ihre Gitarren verwendet. Andere Unternehmen verwenden Rosenholz aus Brasilien, das gemäss CITES  http://en.wikipedia.org/wiki/CITES, ebenfalls illegal ist.

Deshalb möchte ich sie fragen:

1. Woher kommt das Rosenholz, das Sie für ihre (und daher auch meine) Gitarre verwenden?

2. Könnten Sie die Herkunft all ihrer Materialien auf ihrer Website deklarieren?

Danke bereits im Voraus für eure Geduld und freundliche Grüsse

Godin Guitars meldete sich zügig und knapp:

Hallo

Alle Hölzer, die wir benutzen, sind FSC-zertifiziert.

Unsere Rosenhölzer kommen von Indien. Das meiste Holz, das wir benutzen (Zedern, Fichten, Ahorn, Pappeln, Linden, Vogelkirschen) wird lokal in Kanada angebaut.

Beste Grüsse

Godin Guitars.

Schön, dass sie alle Hölzer säuberlich auflisten, doch auf der Website findet man nur bei einem einzigen Produkt das FSC-Label. Wieso bloss?

Hallo

Danke für die schnelle Antwort. Wieso kann ich auf  eurere Website das FSC-Label nirgends sehen? Wenn ihr bereits FSC-Hölzer verwendet, wäre es ja grossartig und geradezu Gratiswerbung für Godin, wenn ihr dieses Label auch auf der Website zeigen würdet, ich kenne nämlich eine Menge Leute, die sich dafür interessieren, woher die Produkte, die sie kaufen, stammen.

Danke und Grüsse

Godin fand unsere Frage sehr berechtigt:

Hallo

Das ist eine sehr gute Frage. Wir werden sie bei der nächsten Teamsitzung besprechen.

Danke

Wir freuen uns, wenn wir uns mit einem kurzen Mail tatsächlich als Traktandum in eine Teamsitzung der Marketingabteilung von Godin Guitars einbringen konnten. Löblich scheint uns, dass Godin auf lokale Holzprodukte setzt. Die Herkunft der Rosenhölzer können wir als Konsumenten natürlich schwer nachprüfen. Doch immerhin sensibilisieren wir die Gitarrenproduzenten mit unseren Fragen dafür, dass die Herkunft der Rohstoffe auch für Musiker einen Faktor beim Kaufprozess darstellt.

Die Gitarrenserie:

Edle Gitarren aus edlen Hölzern I

18. April 2012

Den Regenwald opfern wir der Kunst. So oder ähnlich muss das Motto des Gitarrenherstellers Gibson lauten. Denn für seine edlen Gitarren verwendet das amerikanische Unternehmen illegal geschlagenes Edelholz aus den Regenwäldern Madagaskars. Wie skrupellos andere Gitarrenhersteller für ihre Musikinstrumente die Umwelt schänden, erfahrt ihr in unserer Montagsmailserie.

Der Hals des Anstosses: Gibsongitarre (c) by rockheim

Der Hals des Anstosses: Gibsongitarre (c) by rockheim

2009 durchsuchte die amerikanische Bundesbehörde Fish und Wildlife Service  zum ersten Mal die Fabrik des Gitarrenproduzenten Gibson in Nashville, Tennessee. Sie beschlagnahmte Hölzer, Lieferdokumente und Instrumente. Das Holz für die Gibsongitarre, so der Verdacht, könnte aus illegalen Rodungen auf Madagaskar und Indien stammen.

Umweltschutzvorreiter USA

In den meisten Staaten wäre der Handel mit illegal gerodetem Tropenholz nicht strafbar. Lediglich die Ausfuhr geschützer Hölzer aus dem Herkunftsland wäre verboten. Anders in den USA. Seit 1900 verbietet der sogenannte Lacey-Act den Handel mit illegal gefangenen Wildtieren, Fischen und Pflanzen. 2008 ergänzte der amerikanische Kongress das Gesetz um einen entscheiden Absatz. Der Lacey-Act verbietet fortan auch den „Import, Export, Kauf, Verkauf, Transport, Erwerb und Zukauf“ von Holz oder Holzprodukten bis hin zu Papier, wenn das verwendete Holz in seinem Ursprungsland illegal gefällt wurde. Mit diesem Schritt werden auch die Abnehmer und Verarbeiter von illegal geschlagenem Holz für die Rodungen verantwortlich gemacht – nur konsequent, steuern sie doch die Nachfrage nach den seltenen Bäumen.

Ermittlungen bestätigen den Verdacht

Umfangreiche Recherchen, an denen auch der Zoo Zürich beteiligt war, bestätigten, dass das aus Madagaskar an Gibson gelieferte Holz unmöglich aus legalen Holzplantagen stammen konnte. Denn die Edelhölzer Rosen- und Ebenholz kommen schon seit einiger Zeit nur mehr in Nationalpärken vor, wo sie seit 2000 nicht mehr gefällt werden dürfen. Doch 2009 wurde der gewählte Präsident von Madagaskar gestürzt. Seither wird wieder wild drauflos gehackt.

In seiner Medienmitteilung teilte der Zoo Zürich damals die Resultate seines Ermittlers Alexander von Bismarck mit: „Sieben von acht Bäumen sind illegal gefällt worden. Zudem hat Alexander von Bismarck nachgewiesen, dass der Lieferant von Gibson das Edelholz im geschützten Masoala Nationalpark einschlagen lässt.“

Gibson: keine Einsicht

Im August 2011 wurden die Büro- und Fabrikgebäude von Gibson zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Unbelehrbar soll Gibson ein weiteres Mal illegale Hölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Medienkampagne gegen den Lacey-Act und konservative Parlamentarier strengten im Parlament eine Aufweichung des revolutionären Gesetzes an.

LAMM hat sich den Gibsonfall zum Anlass genommen, weiteren Gitarrenherstellern zu schreiben und sie nach der Herkunft ihrer in den Gitarren verarbeiteten Hölzern zu fragen. In einer Serie veröffentlichen wir nun die Antworten. Der Mailverkehr wurde von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Liebe PRS

Ich spiele seit langem eure Gitarren – seit kurzem auch an der berklee Universität. In letzter Zeit habe ich einige Dinge in den Nachrichten über die Materialien gehört, die von Gitarrenherstellern gebraucht werden. Angeblich sollen Gitarrenhersteller für die Gitarrenhälse Rosenholz verwenden. Und trotz der Tatsache, dass der Import und Kauf von Rosenholz aus Madagaskar illegal ist, hat die Giarrenfirma Gibson angeblich solches Rosenholz für ihre Gitarren verwendet. Andere Unternehmen verwenden Rosenholz aus Brasilien, das gemäss CITES  http://en.wikipedia.org/wiki/CITES, ebenfalls illegal ist.

Deshalb möchte ich sie fragen:

1. Woher kommt das Rosenholz, das Sie für ihre (und daher auch meine) Gitarre verwenden?

2. Könnten Sie die Herkunft all ihrer Materialien auf ihrer Website deklarieren?

Danke bereits im Voraus für eure Geduld und freundliche Grüsse

Schon bald klingelte es in der Mailbox

Hallo Gitarrenspieler

Danke für dein Mail an PRS Gitarren. Unser Holz kommt aus der ganzen Welt. Wir kämpfen uns durch eine unglaubliche Menge Papier um zu dokumtentieren, dass wir alles Holz legal importieren. Wir haben eine Material und Logistik Compliance-Abteilung, die alle nötigen Gesetze untersucht und sicherstellt, dass wir alle gesetzlichen Anforderungen genügen.

Ich hoffe du findest diese Informationen hilfreich.  Danke, dass du PRS Guitars weiterhin treu bleibst.

PRS Gitarren

Naja, sooo hilfreich war dieses Blabla jetzt auch wieder nicht. Wir fragen nach:

Hallo

Danke für die prompte Antwort. Ich würde aber trotzdem gerne wissen, woher PRS sein Rosenholz genau hat und, ob sie etwa FSC-zertifiziertes Holz benutzen?

Danke nochmals und viele Grüsse

Geduldig und knapp:

Hallo

Unser Holz kommt aus der ganzen Welt und unglücklicherweise habe ich keine Informationen dahingehend, dass unsere Hölzer FSC-zertifiziert sind.

Grüsse

Keine besonders beruhigende Antwort. Ein paar Ländernamen hätten genügt. Doch wir ziehen unsere Schlüsse.

Lest im nächsten Mail, wie Godin Gitarren auf unsere Anfrage reagiert.

Paul Reed Smith aka PRS himself: Hätte er gewusst, woher sein Gitarrenhals stammt?

Paul Reed Smith aka PRS himself: Hätte er gewusst, woher sein Gitarrenhals stammt? (c) by LostBob Photos